Pressebrief 18/Dezember


Maxim Gorki Theater im Januar: Uraufführungen von ZUKUNFTSMUSIK von Katerina Poladjan in der Regie von Nurkan Erpulat und I LOVE ZELAL von und mit Zelal Yeşilyurt +++ Ausstellungseröffnung: DAS ROTE HAUS: STRESEMANNSTRASSE 30 – EINE INVENTUR  u.v.m.

anders als üblich, möchten wir unser monatliches Schreiben dieses Mal nicht mit den anstehenden Premieren, sondern den nächsten Dernieren beginnen. So nehmen wir am 4/Januar auf der großen Bühne Abschied von DIE RÄUBERINNEN in der Regie von Leonie Böhm und im Studio Я am 17/Januar von Hakan Savaş Micans ALLES WIRD SCHÖN SEIN. sowie am 18/Januar von Roza Sarkisians KARABAKH MEMORY. Es gibt danach keine Chance mehr, die Stücke noch einmal zu sehen. Im Anschluss an die Vorstellungen wird es aber jedes Mal noch eine Party geben!

Am Samstag, den 24/Januar zeigen wir dann gleich zwei Uraufführungen. Im Studio Я feiert Zelal Yeşilyurt um 18:00 die Premiere ihrer Soloperformance I LOVE ZELAL, einer obsessiven Liebesgeschichte. Es ist das Abschlussstück der jungen Regisseurin, Autorin und Dramatikerin im Fach Szenisches Schreiben an der UdK und ihre bereits dritte Inszenierung am Gorki. Um 19:30 inszeniert auf der großen Bühne unser Hausregisseur Nurkan Erpulat erstmals ZUKUNFTSMUSIK von Katerina Poladjan. Der Roman der in Moskau geborenen Autorin wurde zuletzt in der ARD-Sendung Druckfrisch als »einer der ganz großen deutschen Gegenwartsromane« gelobt und ist quasi für die Bühne angelegt: Ein Tag im März 1985. Alle gehen ihrem Alltag nach. Ein Tag, wie jeder andere. Scheinbar. Kurz danach beginnt ein Aufbruch in eine ungeahnte Freiheit. Die ist von kurzer Dauer. Hoffnungen werden geweckt und scheitern. Menschen setzen sich ein und werden getötet. Die Freiheit ist umkämpft und Sieger sind oft die Feinde der Freiheit. Zukunft trifft auf Vergangenheit. Und über allem steht die große Frage des Hier und Jetzt: Was tun? Für Nurkan Erpulat, der seit Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff im Jahr 2013 Hausregisseur ist, ist es die letzte Premiere am Gorki – insgesamt ist es die vorletzte unter Shermin Langhoff. Auf der Bühne steht ein spannendes Ensemble mit Marc Benner, Aysima Ergün, Doğa Gürer, Via Jikeli, Çiğdem Teke und Ursula Werner.

Bereits am 16/Januar eröffnet im Gorki-Kiosk die Ausstellung DAS ROTE HAUS: STRESEMANNSTRASSE 30 – EINE INVENTUR, die zuletzt Teil des 7. Berliner Herbstsalons war. Die Ausstellung widmet sich dem »Wonaym« von Telefunken, das zwischen 1963 und 1969 in der Stresemannstraße 30 eine provisorische Bleibe für hunderte junge Frauen aus der Türkei, Jugoslawien und Griechenland war. Viele – unter ihnen auch die zuletzt mit dem Bertolt-Brecht-Preis ausgezeichnete Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar – prägten durch ihr gesellschaftspolitisches und künstlerisches Wirken das deutsch-türkische Leben in Berlin. Bis zum 15/März wird die dokumentarische Ausstellung von Freitag bis Sonntag zwischen 14:00 und 20:00 bei freiem Eintritt für Besucher*innen geöffnet sein. Die feierliche Ausstellungseröffnung im Beisein von Künstler*innen und Kuratorin Shermin Langhoff findet am 16/Januar um 18:30 statt. Sie sind herzlich eingeladen!

Wie immer haben wir auch im Januar ein großes Programm mit Sonderveranstaltungen: In der Gorki-Kantine erinnern wir am 9/Januar mit DER WEG IST NICHT ZU ENDE WENN DAS ZIEL EXPLODIERT an Heiner Müllers 97. Geburtstag. Natürlich auch mit Musik. Im Studio Я geht es am 6/Januar bei MELY KIYAK HAT KUNST um die Krimiautorin Regina Stürickow. Sie machte seit 1998 Ernst Gennat, den »Kommissar vom Alexanderplatz« in einer Reihe von Büchern zu ihrem Helden und dem ihrer Leser*innen. Am 8/Januar liest der kurdische Dichter İlhan Sami Çomak aus seinen Werken. Sie entstanden alle im Gefängnis, von 1994 bis 2024 war er in politischer Gefangenschaft in der Türkei. Am 19/Januar im Studio Я verbinden wir in Form von zwei Inszenierungen in ARRESTED JUSTICE das Gedenken an den am 19. Januar 2007 in Istanbul ermordeten Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Hrant Dink mit der Erinnerung an den deutsch-türkischen Schriftsteller Doğan Akhanlı (1957–2021).

Wir wünschen schöne Feiertage und freuen uns auf ein Wiedersehen beim Start in die zweite Runde der Spielzeit 2025/26!

Beste Grüße und bis bald im Gorki

Elisa Thorwarth (Pressereferentin und Stellv. Leitung Kommunikation Gorki)
Nino Medas (Pressesprecher und Leitung Kommunikation Gorki)

Presse 
Maxim Gorki Theater Berlin
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin
Tel. 030 - 20221 355 / 392
presse@gorki.de
www.gorki.de  



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Highlights im Januar

Uraufführung
24/Januar 19:30, Bühne
ZUKUNFTSMUSIK

Von Katerina Poladjan Regie Nurkan Erpulat

Bühne Magda Willi Kostüme Miriam Marto Musik Tobias Schwencke Dramaturgie Clara Probst & Johannes Kirsten

Mit Marc Benner, Aysima Ergün, Doğa Gürer, Via Jikeli, Aleksandar Radenković, Çiğdem Teke, Ursula Werner

Eine sowjetische Kommunalka, eine Gemeinschaftswohnung, irgendwo in Sibirien. Moskau ist weit, weit weg. Wir schreiben das Jahr 1985, in dem sich alles ändern sollte. Vier Frauen – Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Tochter – leben Seite an Seite mit einem Ingenieur, einem Schaffnerehepaar und den Karisen, von denen niemand genau sagen kann, wer sie eigentlich sind. Sie alle wissen noch nicht, wie sehr die Zeitenwende, die der 11. März 1985 markiert, ihr Leben ändern wird – ein Aufbruch in etwas Neues, Unbekanntes, der das ganze Land erfasst. Eine alte Welt geht unter. Für die einen eine Befreiung, für die anderen die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Und dazwischen Menschenschicksale, von denen jedes einzelne sich fragt, was tun und wann kommt eigentlich das Glück?


Weitere Vorstellung:
27/Januar 19:30, Bühne

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Uraufführung
24/Januar 18:00, Studio Я
I LOVE ZELAL

Text und Regie Zelal Yeşilyurt

Bühne & Kostüm Elin Laut Musik Fee Aviv Dubois, Jurek Stricker & Joel Schwander Video Julia Casabona & Berfîn Karakurt 3D Video-Animationen Berfîn Karakurt Dramaturgie Simon Meienreis

Mit Zelal Yeşilyurt

Ein Schrein, ein Monolog, ein Wahnsinn: In I love Zelal seziert Autorin und Regisseurin Zelal Yeşilyurt in 13 blitzartigen Monolog-Clips eine obsessive Liebesgeschichte voller Ekstase und Selbstverlust. Die Figur Liebestoll spricht in Momentaufnahmen zu einer Frau namens Zelal. Sie ist mal schwärmerisch, mal wütend, mal flehend. Je mehr sie sich nach Nähe sehnt, desto tiefer stürzt sie ab: in Wahn und Kontrollverlust. Was beginnt wie eine schrille Fan-Fiction, endet in einem blutigen Fiebertraum. Zwischen Horrorfilm und Popkultur entfaltet sich ein Solo über narzisstische Spiegelungen, toxisches Begehren und die Ununterscheidbarkeit von Realität und Projektion. Eine radikal subjektive und ironisch-böse Inszenierung, die die Autorin selbst inszeniert. Dabei wird sie unterstützt von einem Team aus Künstler*innen, die gemeinsam ein multimediales Ereignis schaffen.


Weitere Vorstellung:
25/Januar 17:00, Studio Я

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Ausstellungseröffnung | Vernissage
16/Januar 18:30, Kiosk
DAS ROTE HAUS: STRESEMANNSTRASSE 30 – EINE INVENTUR

Ein Projekt von Shermin Langhoff und Theater findet Stadt e. V. in Zusammenarbeit mit Hülya Karcı, Erden Kosova, Tunçay Kulaoğlu, Maral Müdok, Mürtüz Yolcu und vielen weiteren Beteiligten Protagonist*innen. Ein Epilog zum 7. Berliner Herbstsalon.

Öffnungszeiten:
16/Januar–15/März,
Freitag bis Sonntag 14:00–20:00 Uhr.

Zwischen 1964 und 1969 lebten fast 200 junge Frauen aus der Türkei im Frauenwohnheim der Firma Telefunken in der Stresemannstraße 30. Viele prägten durch ihr gesellschaftspolitisches und künstlerisches Wirken das deutschtürkische Leben in Berlin. Die dokumentarische Ausstellung, entstanden im Rahmen des 7. Berliner Herbstsalons, wird im Kiosk durch Kunstwerke von Emine Sevgi Özdamar, Filiz Taşkın, Melek Konukman-Tulgan und Serpil Yeter ergänzt und weitergeführt.


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Derniere

4/Januar 19:30, Bühne
DIE RÄUBERINNEN

Nach Friedrich Schiller Regie Leonie Böhm

Bühne Zahava Rodrigo Kostüme Mascha Mihoa Bischoff Livemusik Fritzi Ernst Video Ikenna David Okegwo Mitarbeit Inszenierung Susanne Wagner Lichtdesign Christian Gierden Dramaturgie Helena Eckert

Mit Gro Swantje Kohlhof, Sophie Krauss, Eva Löbau & Julia Riedler

Gemeinsam mit vier Spielerinnen begibt sich Leonie Böhm ganz frei nach Schillers Die Räuber auf eine Suche nach wahrhaftiger Freiheit, um die Seele »bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen«. Echte Nähe ohne Zwänge oder alte Muster. Mit eigenen Gesetzen: offen und unmittelbar.


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Derniere
17/Januar 19:30, Studio Я
ALLES WIRD SCHÖN SEIN.

Ein Mixtape von Hakan Savaş Mican Regie Hakan Savaş Mican

Bühne Alissa Kolbusch Kostüme Sylvia Rieger Musikalische Leitung Peer Neumann Livemusik Merve Akyıldız, Peer Neumann Video Design Sebastian Lempe Lichtdesign Arndt Sellentin Dramaturgie Holger Kuhla

Mit Emre Aksızoğlu & Taner Şahintürk

Ali wird sterben und spricht und singt von verdrängten Wahrheiten und einem Land, das er hasst und liebt.


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Derniere

18/Januar 19:00, Studio Я
KARABAKH MEMORY

Von Roza Sarkisian

Ausstatterin Dana Kavelina Musik Alexandra Malatskovska Lichtdesign Daniel Krawietz Video Magda Mosiewicz Dramaturgie Johannes Kirsten

Mit Tim Freudensprung, Flavia Lefèvre & Alexandra Malatskovska

Ende September 2023 flohen bis zu 120.000 Armenier*innen aus Bergkarabach. Karabakh Memory entwickelt die Regisseurin Roza Sarkisian rund um ihre Familiengeschichte und einzelne Erinnerungsobjekte – Fluch und Segen des Erinnerns.

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Soundlesung
9/Januar 21:30, Kantine
DER WEG IST NICHT ZU ENDE WENN DAS ZIEL EXPLODIERT

Konzept & Einrichtung Holger Kuhla

Musik Volkan T Error & Mirko Borscht

Seit 2016 bringt das collektive temporaire Heiner Müller an seinen Geburtstagen mit so großartigen, wie toten Literat:innen zusammen. An seinem 97-igsten trifft Müller auf einen der wohl widerständigsten Dichter und dessen Texte. Er trifft auf sich selbst und einen Kapitalismus der noch immer währt und erneut droht zu eskalieren. Müller erinnert sich und das was war, was ist und was sein wird! Eine wenig gemütliche Begegnung mit einer Zeit, die noch unsere ist und eine Geburtsfeier der besonderen Art, in der Kantine des Gorki.

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Lesung & Gespräch
6/Januar 20:30, Studio Я
MELY KIYAK HAT KUNST: VON BALLISTIK UND BELLETRISTIK

Mit Mely Kiyak & Regina Stürickow

Ohne Regina Stürickows sorgfältig recherchierte Kriminalgeschichten um Kommissar Ernst Gennat, die in der Weimarer Republik spielen und nebenher den Aufstieg der SA und der NSDAP erzählen, wären Babylon Berlin und Volker Kutscher aufgeschmissen. Sie bedienen sich alle schamlos an ihrer Arbeit und damit muss endlich Schluss sein. Regina Stürickow gehört auf die Bühne! Ihr Werk ist nämlich aufsehenerregend und, äh, na ja, mordsspannend.


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Buchpräsentation
8/Januar 18:30, Studio Я
BRING MICH FORT AUS DIESER STILLE: GEDICHTE

Von und mit İlhan Sami Çomak

İlhan Sami Çomak wurde im November 2024 nach 30 Jahren aus türkischer Haft entlassen. Der vielfach ausgezeichnete Lyriker hat zehn Gedichtbände, eine Autobiografie und ein Theaterstück im Gefängnis verfasst. Der Gedichtband Bring mich fort aus dieser Stille enthält eine Auswahl kurdischer und türkischer Gedichte, die erstmals ins Deutsche übersetzt wurden.


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Inszenierung
19/Januar 18:30
ARRESTED JUSTICE

SPIEGELUNGEN
Text und Regie Miraz Bezar
Mit Saro Emirze & Doğa Gürer


VERHAFTUNG IN GRANADA
Von Doğan Akhanlı Regie Nuran David Calis
Mit Taner Şahintürk, Sesede Terziyan & Daron Yates

Am 19. Januar erinnert das Gorki an den 2007 ermordeten Journalisten Hrant Dink, der sich für eine armenisch-türkische Annäherung engagierte. Nach der vorzeitigen Entlassung seines Mörders 2023 richtet Arrested Justice den Blick auf juristische Fragen der Meinungsfreiheit in der Türkei und verbindet die Biographien von Hrant Dink und Doğan Akhanlı. In Spiegelungen inszeniert Miraz Bezar ein fiktives Gespräch zwischen Dink und seinem Mörder. Mit Zitaten aus dem Verhör des damals 16-jährigen Ogün Samast entsteht eine Kurzperformance über die widersprüchlichen Prozesse um den Mord. Der im Exil lebende Schriftsteller Doğan Akhanlı wurde in Granada auf Betreiben der Türkei per Interpol festgenommen. Der Regisseur Nuran David Calis hat seinen Roman Verhaftung in Granada, der von diesem Sommer und früheren Haftzeiten erzählt, als szenische Lesung eingerichtet.