Eine sowjetische Kommunalka, eine Gemeinschaftswohnung, irgendwo in Sibirien. Moskau ist weit, weit weg. Wir schreiben das Jahr 1985, in dem sich alles ändern sollte. Vier Frauen – Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Tochter – leben Seite an Seite mit einem Ingenieur, einem Schaffnerehepaar und den Karisen, von denen niemand genau sagen kann, wer sie eigentlich sind. Sie alle wissen noch nicht, wie sehr die Zeitenwende, die der 11. März 1985 markiert, ihr Leben ändern wird – ein Aufbruch in etwas Neues, Unbekanntes, der das ganze Land erfasst. Eine alte Welt geht unter. Für die einen eine Befreiung, für die anderen die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Und dazwischen Menschenschicksale, von denen jedes einzelne sich fragt, was tun und wann kommt eigentlich das Glück?
Katerina Poladjans Roman Zukunftsmusik wird in der Bearbeitung von Hausregisseur Nurkan Erpulat uraufgeführt – 12 Jahre nachdem seine Inszenierung von Tschechows Kirschgarten die erste Spielzeit am Gorki eröffnete.
Premiere 24/Januar 2026
Foto: Esra Rotthoff
Bühnenfotos: Ute Langkafel
»Nurkan Erpulat hat sich in den Gorki-Jahren als feinfühliger Roman-Adaptierer einen Ruf erarbeitet, dem er [] hier auch wieder gerecht wird. […] Es gilt in diesem postmigrantischen Volkstheater die maximale Verständlichkeit der Erzählungen. Deutsche Schauspieler*innen mit überwiegend türkischen Namen spielen Figuren mit russischen Namen aus dem Roman einer Autorin, die in der Sowjetunion geboren wurde und auf Deutsch schreibt. Programmatischer geht's nicht für diese Schlusspunkt-Inszenierung, in der sich das Ensemble – übrigens absolut romangetreu – am Ende wehmütig, aber kurz von seinem Haus verabschiedet und entschlossen ins Unbekannte zieht.«
»Mit dem ›Kirschgarten‹ hat er 2103 die Intendanz von Shermin Langhoff am Gorki eröffnet. Mit einer humorvollen, toll gespielten und klug verdichteten ›Zukunftsmusik‹ endet nun auch seine Zeit am Gorki. […] [Ein] Ende, das noch lange nachhallen wird. Passend zu einer Zeit, in der ja auch viel vom Umbruch und dem Abschied von vermeintlichen Gewissheiten die Rede ist.
[…] Viel Wehmut also an diesem Abend. Aber so endet er nicht. [Die] Band Stoptime spiel[t] ein Set aus kriegs- und regimekritischen Songs, für die sie im Oktober 2025 in St. Petersburg beim Auftritt auf der Straße verhaftet wurden. Inzwischen konnten sie Russland verlassen. Jetzt spielen sie ihre Zukunftsmusik im Gorki. Solange es solche jungen Menschen gibt, kann noch nicht alle Hoffnung verloren sein.«
»Eindrucksvoll. Technisch ist das eine Meisterleistung, mit der die Gewerke des Gorki Theaters zeigen, was verloren ginge, würden die Werkstätten in den Bühnenservice Berlin eingegliedert. […] noch einmal kann man der Gorki-Kunst in einer zum Signaturstück taugenden Inszenierung beiwohnen. […] Fürs Theater lässt sich ›Zukunftsmusik‹ bestens adaptieren.[…] Mit Routine unterhalten die Schauspieler ihr Publikum, sind ihren Figuren dabei aber stets nah. Nach knapp zwei Stunden, die rasch vergehen, hat das Gorki noch eine Überraschung in petto: […] das russische Duo Stoptime […] im Exil – und das Gorki bietet ihnen und ihren Songs künstlerisches Asyl. Auch das gehört zum Geist der nicht immer unumstrittenen Langhoff-Intendanz. Ihn wird man vermissen.«