Maxim Gorki Theater im April: Letzte Uraufführung der Intendanz von Shermin Langhoff – KASSANDRA OR SONGS OF THE CANARIES in der Regie von Marta Górnicka +++ Gedenken an die Aghet mit u.a. DONATION von Atom Egoyan +++ Sieben Dernieren u.v.m.
am 18/April zeigen wir KASSANDRA OR SONGS OF THE CANARIES von Marta Górnicka. Es wird die letzte Premiere der Intendanz von Shermin Langhoff am GOЯKI sein. Ein Abgesang also. Früher nahmen Bergleute Kanarienvögel mit in den Berg. Sobald diese aufhörten zu singen, wussten die Arbeiter unter Tage, dass die Atemluft knapp wurde. Die polnische Autorin und Regisseurin Marta Górnicka beeindruckt ihr Publikum immer wieder mit Sprechchören, die sie von den letzten Reihen des Parketts aus dirigiert. Dieses Mal bringt sie eine Gruppe von 24 Menschen zusammen, die verschiedene Generationen, Sprachen, Fähigkeiten und Lebenserfahrungen umfasst – darunter die jüngsten und ältesten Rapperinnen Berlins, Kinder, Jugendliche und viele mehr. Als Kassandra-Chor schreiben diese 24 zeitgenössischen Stimmen eine neu interpretierte, vielstimmige Geschichte von Kassandra. Kassandra sagte den Untergang Trojas voraus. Niemand glaubte ihr. Heute gibt es etliche Kassandren: Klimakrise, Ölpreis, Zusammenbruch Europas, die weltweite Welle der alten machtgierigen Männer usw. ... Ausgelöschte Städte, Kriegstrümmer, überflutete und verdorrte Landschaften sind zur Kulisse unseres Denkens geworden. Die Vorhersagen und Warnungen, die wir ignorierten, hallen darin wider. Die Kanarienvögel werden dringend gebraucht. Sie sagen uns, wie viel Zeit wir noch haben und helfen uns nicht aufzuhören, zu singen, zu sprechen, uns zu Wort zu melden. Und etwas zu tun.
Im letzten Jahr eröffneten wir am 24/April unser Festival 100 + 10 – Armenian Allegories, das dem Gedenken an die Aghet – »die Katastrophe«, wie die Armenier*innen den an ihnen begangenen Völkermord nennen – gewidmet war. In diesem Jahr wollen wir mit drei Veranstaltungen zwischen dem 19/ und 24/April an den Genozid erinnern. Am 19/April wird es auf der großen Bühne ein Konzert der Urban-Diaspora-Band COLLECTIF MEDZ BAZAR geben, die sich aus Musiker*innen armenischer und türkischer Herkunft zusammensetzt. Ausgehend von ihren jeweiligen Kulturen und Traditionen schaffen die Mitglieder des Kollektivs außergewöhnliche Arrangements traditioneller und zeitgenössischer Musik sowie eigene Kompositionen.
Am 24/April zeigen wir im großen Haus erneut und zum vorletzten Mal DONATION von Arsinée Khanjian und Atom Egoyan. Die berühmte armenisch-kanadische Schauspielerin Arsinée Khanjian möchte darin die Kostüme, die ihr Ehemann Atom Egoyan für seinen Film Ararat über den Völkermord von 1915 an den Armenier*innen herstellen ließ, spenden. Sie sollen die Erinnerung an das, was damals geschah, bewahren. Inzwischen hat es wieder Versuche gegeben, das armenische Volk zu vernichten. Zudem ist Khanjian persönlich schwer erkrankt. Emotionale Intimität und mörderische Politik verbinden sich in einer ergreifenden Komposition. Genau dafür gibt es Theater.
Am selben Abend, dem des 24/April, stellt Nuran David Calis im Studio Я um 21:00 seinen zweiten Roman RAUSCH vor. Darin schildert der bekannte Theater- und Film-Autor und -Regisseur, wie sein armenischer Vater, als Gießereiarbeiter, und seine jüdische Mutter, als Reinigungskraft, aus der Türkei nach Deutschland flohen und dafür kämpften, hier leben zu dürfen. Mit Rausch setzt Nuran David Calis seine Auseinandersetzung mit Herkunft, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Spannung konsequent fort und bündelt dies in der atemlosen Suche seiner Protagonist*innen nach Identität – einer doppelbödigen und eindringlichen Geschichte aus der Herzkammer unserer Landes.
In der Reihe MELY KIYAK HAT KUNST ist dieses Mal Navid Kermani zu Gast bei unserer langjährigen Theaterkolumnistin. Navid Kermani wurde 1967 als Kind iranischer Einwanderer in Siegen geboren; es wurde einer der bekanntesten deutschen Intellektuellen aus ihm. 2015 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seinem 2018 erschienenen gleichnamigen Buch ist Navid Kermani Entlang den Gräben gereist, die sich gegenwärtig in Europa neu auftun: von seiner Heimatstadt Köln gen Osten bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern. Kermani analysiert die Welt, er erzählt von ihr. Er sieht sie sich an. Und wird uns u.a. davon am 26/April im Studio Я berichten. Natürlich wird an diesem Abend auch wieder musiziert. Mely Kiyak konnte für ihren Salon keinen Geringeren als Tristan Brusch gewinnen, der mit seinem aktuellen Album Am Anfang gerade durch die Decke Deutschlands in die Herzen seines Publikum schießt.
Maxim Znak kommt am 25/April ins GOЯKI. Das GOЯKI stellte im Februar 2023 gemeinsam mit Herta Müller Zekamerone, das erste Buch des belarussischen Autors vor, der zugleich Anwalt von Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava ist. Eine der letzten Nachrichten, die Znak im Gefängnis erreichten, bevor er vollkommen isoliert wurde. Seit Dezember sind Maxim Znak und Maria Kalesnikava in Freiheit und werden nun persönlich mit Herta Müller, moderiert von Alice Bota, über die Situation in Belarus, die Literatur, das Schreiben und Lesen sprechen und aus ZEKAMERONE und ganz neuen Texten von Znak vortragen.
GOЯKI wird es übrigens auch im April wieder nicht nur am GOЯKI zu sehen geben: ANDROGYNOUS. PORTRAIT OF A NAKED DANCER. zeigen wir im April im toskanischen Prato, UNSER DEUTSCHLANDMÄRCHEN in einer der größten Stadt der Welt, in Shanghai, und die Ausstellung STRESEMANNSTRASSE 30 – EINE INVENTUR wird Ende April in Singapur zu sehen sein.
Leider wird es auch im April wieder mehrere Dernieren geben. Wir verabschieden uns von sieben Stücken. Im Studio Я von DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA, TO BE IN A TIME OF WAR, BLUES IN SCHWARZ WEISS, BACKYARD (A FIELD TO SEARCH) und auf der Bühne von DER UNTERTAN, POP, PEIN, PARAGRAPHEN sowie – und das birgt eine gewisse Ironie in sich – UND SICHER IST MIT MIR DIE WELT VERSCHWUNDEN. Für das GOЯKI wird das hoffentlich nicht gelten.
Das gesamte April-Programm finden Sie unter www.gorki.de
Beste Grüße und bis bald im GOЯKI!
Elisa Thorwarth (Pressereferentin und Stellv. Leitung Kommunikation Gorki)
Nino Medas (Pressesprecher und Leitung Kommunikation Gorki)
Presse
Maxim Gorki Theater Berlin
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin
Tel. 030 - 20221 355 / 392
presse@gorki.de
www.gorki.de
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Highlights im April
Uraufführung
18/April 19:30, Bühne
KASSANDRA OR SONGS OF THE CANARIES
Konzept & Regie Marta Górnicka
Libretto Marta Górnicka & Ensemble
Musik Marta Górnicka & Wojciech Frycz
Bühne Mirek Kaczmarek Kostüme Pola Kardum Choreografie Evelin Facchini Dramaturgie Endre Malcolm Holéczy, Anja Nioduschewski Dramaturgische Mitarbeit Olga Byrska, Maria Rössler Künstlerische Mitarbeit Fifi Rutkowski
Mit Aziza A., Niousha Akhshi, Debbie Arega, Gabriela Beltramino, Robin Francis Denner, Sofia Gubar, Abib Kilian Hempe, Helena Kauschke, Viktoriia Kosorukova, Flavia Lefèvre, Jay Mayhew, Karolina Nägele, Joanna Niemirska, Maja Kowalczyk, Cintia Sofia De Pina Pires, Mathis Reinhardt, Marcela Römhild, Iga Rudnicka, Fifi Rutkowski, Sophia Slamani, Veza van der Sman, Maimouna Sow, Sonnhild Trujillo & Karyna Yağiz
»Jeden Tag werden ganze soziale Gruppen gesellschaftlich ignoriert und zum Schweigen gebracht. Ihre verletzlichen Stimmen sind für mich wie der Gesang der Kanarienvögel im Bergwerk. Mit dem KASSANDRA CHORUS bringe ich diese Stimmen auf die Bühne, um gemeinsam ein Lied der Ermächtigung zu singen. Solange die Kanarienvögel weiter singen, sind wir am Leben.« Die polnische Theaterregisseurin und Autorin Marta Górnicka bringt eine Gruppe von Menschen zusammen, die verschiedene Generationen, Sprachen, Fähigkeiten und Lebenserfahrungen umfasst. Gemeinsam untersuchen sie, was wir als Gesellschaft aus unserem Blickfeld zu verdrängen neigen oder ungesagt bleibt, was uns bevorsteht und schon jetzt direkt vor unseren Augen liegt – und schaffen so eine zeitgenössische, vielstimmige wie sprachmächtige Fortschreibung des antiken Mythos von Kassandra.
Weitere Vorstellungen:
20/21/April 19:30, Bühne
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VERANSTALTUNGEN ZUM GEDENKEN AN DIE AGHET
Konzert
19/April 19:30, Bühne
COLLECTIF MEDZ BAZAR
Konzert von Collectif Medz Bazar
Collectif Medz Bazar ist eine Urban-Diaspora-Band, die sich aus Musiker*innen armenischer und türkischer Herkunft zusammensetzt. Ausgehend von ihren jeweiligen Traditionen und denen benachbarter Kulturen schaffen die Mitglieder des Kollektivs originelle Arrangements traditioneller Musik sowie eigene Kompositionen. Ihre Inspiration finden sie in kleinasiatischer und iranischer Volksmusik, kaukasischem Rabiz, thrakischen Rhythmen und Elementen aus venezolanischer Musik, Operette, Hip-Hop, Jazz und Bluegrass.
Theater
24/April 19:00, Bühne
DONATION
PERFORMING MEMORY II
Text & Regie Atom Egoyan
Bühne Igor Pauška Kostüme Atom Egoyan Video Design Jesse Jonas Kracht Lichtdesign Günter Berghaus Outside Eye Oliver Frljić Dramaturgie Endre Malcolm Holéczy
Mit Edgar Barroso, Arsinée Khanjian
Buchpräsentation
24/April 21:00, Studio Я
RAUSCH
Von und mit Nuran David Calis Moderation Murat Dikenci
In seinem neuen Roman erzählt Nuran David Calis vom Regisseur Ufuk, der als Kind armenisch-türkischer Asylbewerber in den 1990er Jahren in Deutschland aufwächst. Als Erwachsener ist er Regisseur geworden, verarbeitet in einer Odysseus Inszenierung eigene Kindheitserfahrungen. Seine Freundin Johanna stammt aus vermögenden Verhältnissen, wo Ufuk ein Exot ist. Alles scheint richtig zu sein, doch bald drängt sich Politik in die Kunst, fressen sich soziale Spannungen ins Zwischenmenschliche.
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Gespräch
26/April 20:30, Studio Я
MELY KIYAK HAT KUNST | 12
DIE WELT ERFASSEN
Mit Mely Kiyak, Navid Kermani
Musik Tristan Brusch
Navid Kermani ist Schriftsteller, Essayist, Journalist, Orientalist – ein Intellektueller. Gelesen und respektiert von Regierenden, Geistlichen, Denkern aus vielen politischen Lagern. Doch was ihn eigentlich auszeichnet sind seine Reisen. Er ist ein sehender Künstler, der dahin geht, wo geflohen, gekämpft, gehungert und gestorben wird. Ein großer Reisender, ein mitfühlender Rationalist, ein Reporter ohne Grenzen – zu Gast bei Mely im Salon.
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Lesung & Gespräch
25/April 16:00, Bühne
ZEKAMERONE
GESCHICHTEN AUS DEM GEFÄNGNIS
Von Maxim Znak
Mit Tatsiana Khomich, Herta Müller, Katharina Raabe, Volker Weichsel u.a.
Maxim Znak, ein brillanter Jurist und prominentes Mitglied der belarussischen Oppositionsbewegung, wurde im Herbst 2020 verhaftet und im September 2021 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. In seinem Zekamerone (von »zek«, dem russischen Akronym für Häftling), das er im ersten Jahr seiner Haft schrieb, erzählt er pointiert, ironisch und mit erstaunlichem Humor von seinem neuen Alltag. Seine Geschichten legen Zeugnis ab von Widerstand und Selbstbehauptung, vom leisen und lauten Verrücktwerden. Die Schriftstellerin Herta Müller wird Auszüge aus Zekamerone lesen. Im Anschluss sprechen der Historiker Volker Weichsel, Tatsiana Khomich – Schwester der Aktivistin und Künstlerin Maria Kalesnikava und Repräsentantin für politische Gefangene des Koordinierungsrates von Belarus, die Lektorin Katharina Raabe und Herta Müller über die Texte Maxim Znaks und die Situation der politischen Gefangenen in Belarus.
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Derniere
5/April 20:30, Studio Я
DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA
Nach der Filmerzählung von Ulrich Plenzdorf zum gleichnamigen DEFA-Film
Regie Murat Dikenci
Bühne & Kostüme Marilena Büld Lichtdesign Juri Rendler Komposition Nazanin Noori Video Design Tama Ruß Live-Schlagzeug Andrea Belfi Dramaturgie Anahit Bagradjans, Johannes Kirsten
Mit Ruby Commey, Samuel Schneider, Noah Bailey / Saïd Schindler
Das mit der Liebe »ist doch alles Schmus«, denkt Paula – doch es kommt anders. Paula ist tot, ebenso ihr Kind. Sie starb wegen Paul, nachdem eine zugleich gewollte und ungewollte Schwangerschaft zur Katastrophe führte. So ungewöhnlich diese Ankündigung für den DDR-Kultfilm der 1970er-Jahre auch klingt, sie entspricht der bitteren Realität der Geschichte. Die Neuinterpretation im heutigen Berlin fokussiert die toxische Beziehung von Paul und Paula, deren Liebesrausch zugleich beflügelt und zerstört, aus dem aber schwer zu entkommen ist. »Wir lassen es dauern, solange es dauert … und fragen uns nicht nach allerhand Zeugs.« Was einst Paulas zarter Vorschlag bei jener ersten Begegnung mit Paul war, beschreibt heute das fragile Ungleichgewicht moderner Situationships in einer Stadt, die alles erlaubt, aber nichts verspricht.
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Derniere
12/April 19:30, Bühne
POP, PEIN, PARAGRAPHEN
EINE DEUTSCHSTUNDE VON CEM KAYA FEAT. EKIM ACUN ALIAS ŞOKOPOP
Konzept & Video Cem Kaya
Künstlerische Mitarbeit Ekim Zafer Acun (Şokopop) Kostüm & Maske Gorki-Team Archivrecherche Dalia Castel Produktionsleitung Çiğdem Özdemir Lichtdesign Murat Özuzun Dramaturgie Clara Probst
Mit Cem Kaya, Ekim Zafer Acun (Şokopop)
1983 stürzte sich der 23-jährige Cemal Kemal Altun aus dem 6. Stock des Oberverwaltungsgerichts Berlin. Das deutsche Innenministerium hatte, trotz der in der Türkei herrschenden Militärdiktatur, gegen seinen bereits positiv entschiedenen Asylbescheid geklagt. Filmemacher Cem Kaya, bekannt für seine vielfach ausgezeichneten Dokumentationen wie Aşk, Mark ve Ölüm (Liebe, D-Mark und Tod), setzt sich in seiner Video-Lecture Performance ausgehend von Cemal Kemal Altun mit Deutschland und dessen traditionsreicher Kollaboration mit Unrechtsstaaten auseinander. Kaya kompiliert und komponiert unterschiedlichstes Archivmaterial mit privaten Zeitdokumenten. Er erzählt performativ, schonungslos und mit bissigem Humor nicht nur die Rechtsgeschichte Deutschlands neu.
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14/April 20:30, Studio Я
TO BE IN A TIME OF WAR
Von Etel Adnan
Regie & Ausstattung Murat Dikenci
Ausstattung Murat Dikenci Video Design Etritanë Emini Sounddesign Lukas Grundmann Lichtdesign Juri Rendler Stimme Amira Ghazalla Beratung Bühne Alissa Kolbusch, Marco Michelle Beratung Kostüm Thomas Maché Dramaturgie Johannes Kirsten
Mit Amira Ghazalla, Inaam Al Battat, Lujain Mustafa
Eine ältere Dame und eine junge Frau in einer Wohnung. Draußen tobt der Krieg – irgendwo im Nirgendwo. Die Poesie von Etel Adnan wird in To Be In A Time Of War mit dokumentarischen Ton- und Videoelementen zu einem emotional dichten Tableau familiärer Existenz im Ausnahmezustand verwoben. Eine immersive Performance über Erinnerung, Zerfall und das fragile Band zwischen Generationen – angesiedelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Heimat und Verlust, dem Krieg draußen, dem Krieg in den Köpfen, dem Krieg in der Sprache – und der Sehnsucht nach Frieden.
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21/April 20:30, Studio Я
BLUES IN SCHWARZ WEISS
FЯEMDE POESIE? #5
Von May Ayim
Regie Lamin Leroy Gibba
Bühne Joan Ling-Li Nesbit-Chang Kostüme Mathieu Amadou Sounddesign MINQ Lichtdesign Daniel Krawietz Dramaturgie Murat Dikenci
Mit Benita Bailey, Ruby Commey
May Ayim war Dichterin, Pädagogin, Aktivistin und Mitbegründerin der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). In dem vor ihrem frühen Tod veröffentlichten Gedichtband blues in schwarz weiss findet Ayim eine knappe poetische Sprache, in der sie Erlebnisse aus ihrer Kindheit, ihre Sehnsucht nach Liebe und Verbindung, sowie ihre Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung verarbeitet. Ayim spielt mit Klängen, Schreibweisen und Buchstaben und findet klare Worte, um gegen Ungerechtigkeiten anzukämpfen und das Bewusstsein für die Erfahrungen und Herausforderungen der afrodeutschen Bewegung zu schärfen. Lamin Leroy Gibba erhielt 2023 als Autor für sein Theaterstück Doppeltreppe zum Wald den Publikumspreis beim Heidelberger Stückemarkt sowie den SWR2 Hörspielpreis. Mit blues in schwarz weiss gibt er sein Regiedebüt am Theater.
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23/April 20:30, Studio Я
BACKYARD (A FIELD TO SEARCH) – THE LECTURE
Von und mit Laura Uribe, Sabina Aldana (L.A.S. LABORATORIO DE ARTISTAS SOSTENIBLES)
Mit Yanina Cerón
Laura Uribe und Sabina Aldana beschäftigen sich seit 2018 mit dem Thema verschwundener Menschen in Mexiko. Im Februar 2025 wurde der Kiosk des Maxim Gorki Theaters in einer performativen Installation zu einer Mischung aus Pop-Up-Store, Werkstatt und Archivraum in dem an verschiedenen Stationen von der Recherche Uribes und Aldanas erzählt wurde. In einer einmaligen Lecture-Performance nehmen Uribe und Aldana Elemente der performativen Installation vom Februar wieder auf und aktualisieren sie.
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25/April 20:30, Bühne
DER UNTERTAN
Von Heinrich Mann
Regie Christian Weise
Bühne Julia Oschatz Kostüme Josa Marx, Lane Schäfer Musik Jens Dohle, Falk Effenberger Lichtdesign Ernst Schießl Dramaturgie Valerie Göhring
Mit Tim Freudensprung, Via Jikeli, Marta Kizyma, Fridolin Sandmeyer, Catherine Stoyan, Till Wonka
Das Berliner Stadtschloss steht wieder! 1950 ließ die Führung der DDR es als »Relikt der Monarchie« sprengen. Jetzt ist es wieder da. Die »Denkmalomanie«, die die deutsche Kaiserzeit durchzog und vor keiner Stadt Halt machte, findet damit ihren krönenden Abschluss in der Gegenwart. Nachdem Wilhelm II. den Thron bestiegen hatte, wählte er das Schloss zu seinem Wohnsitz. Sein treuster Follower? Diederich Heßling, der Protagonist von Heinrich Manns 1918 veröffentlichtem Roman Der Untertan. Die Adaptions und Rezeptionsgeschichte des Romans ist lang. Nicht nur, dass die Veröffentlichung des Romans am Vorabend des 1. Weltkrieges gestoppt wurde und der Roman 1933 namentlich genannt dem Feuer der Nationalsozialisten übergeben wurde, auch Wolfgang Staudtes DEFA-Verfilmung von 1951 musste mit der westdeutschen Zensur kämpfen. Ist der Roman eine Mentalitätsgeschichte des Kaiserreichs, gingen die Intentionen des Filmes weiter. Staudte interessierte sich zwar auch für den kaisertreuen Diederich Heßling, aber mehr noch für den psychologischen Ursprung des Faschismus. Als eine übergreifende Metapher dieser Zeit, dient in Heinrich Manns Roman die Figur des Schauspielers. »Und da es in Wirklichkeit und im Gesetz weder den Herrn noch den Untertan gibt, erhält das öffentliche Leben einen Anstrich schlechten Komödiantentums«. Neben dem Verweis auf die konstruierte Ebene von Macht, für deren Inszenierung der Kaiser bekannt war, schaut Heinrich Mann auch kritisch auf seine eigene Rolle als Künstler, als »Weiser und Narr«, der »ein Wissender ist, aber zugleich zu schwach ist, sein Wissen gesellschaftlich fruchtbar zu machen.« Ein kalter Wind weht über den Theaterplatz in Netzig, bevor Diederich Heßling mit seiner Frau eine Wagner Oper besucht.
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Derniere
29/April 19:30, Bühne
UND SICHER IST MIT MIR DIE WELT VERSCHWUNDEN
Von Sibylle Berg
Regie Sebastian Nübling
Bühne Magda Willi Kostüme Ursula Leuenberger Musik Lars Wittershagen Lichtdesign Gregor Roth Dramaturgie Valerie Göhring
»Ich habe eine Wut auf die Welt oder das System oder mich, weil ich alles verraten habe, woran ich nicht geglaubt habe oder haben wir wirklich einmal daran geglaubt, die Welt zu retten? Die lagen doch nur dekorativ herum, die Bücher, die feministischen, marxistischen, queeren, die lagen herum, mit ihren Überschriften, über die wir nicht hinausgekommen sind, während wir lieber Serien geschaut haben.« Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden ist der vierte und letzte Teil der Saga, die Sibylle Berg für das Gorki geschrieben hat. Die polyphone Sprecher*in blickt zurück und zieht schonungslos Bilanz ihres Lebens und dem einer ganzen Generation im Neoliberalismus. CUT. ACTION.