ANTIGONE; Eva Löbau fotographiert von Esra Rotthoff; Die Schauspielerin schaut leicht zur Seite und trägt einen großen, schwarz-weißen Regenmantel. Unter der Kapuze hat sie einige lila Lockenwickler in den Haaren. In den Händen hält sie einen Strauß getrockneter Blumen. Im Hintergrund ist ein bewölkter Himmel zu sehen.

Antigone

Am Ende sind fast alle tot. Antigone hatte sich dem Gesetz Kreons widersetzt und in einem Akt bedingungsloser Geschwisterliebe ihren Bruder Polyneikes begraben. Kreon, König von Theben und Antigones Onkel, verurteilte daraufhin seine Nichte zum Tod: »Wer den Freund für wichtiger erachtet als sein Vaterland, der ist für mich ein Nichts.« Doch als sein Sohn Haimon und seine Ehefrau Eurydike Antigone ins Grab folgen und er voll Verzweiflung übrigbleibt, muss er sich eingestehen: »ICH bin nichts weiter als ein Nichts.« Die Erkenntnis kommt zu spät, die Tragödie ist geschehen, der Systemwandel ausgeblieben. »So, we can’t save the world by playing by the rules, because the rules have to be changed. Everything needs to change and it has to start today.« Greta Thunberg

 

Leonie Böhm beginnt ihre Aneignung des antiken Klassikers in einem Moment, an dem noch nicht alles verloren ist. Gemeinsam mit dem Ensemble untersucht sie spielerisch, wie sich innere Fesseln abschütteln lassen. Wie ist ein für nachhaltige Veränderung notwendiger Bewusstseinswandel möglich? Wie können wir loslassen, was uns dabei im Weg steht, uns neu zu erfinden, neu zu verbünden?

 

»Kreon hat ein riesiges Sicherheitsbedürfnis. Kreon hält das System am Laufen. Kreon ist schnell gekränkt. Antigone wünscht sich einen Systemwandel. Antigone glaubt an radical honesty und gewaltfreien Widerstand. Ich bin Antigone. Ich bin aber auch Kreon. Denn für einen Systemwandel müsste man in der Lage sein, auch das eigene Sicherheitsbedürfnis zu überwinden. Für Transformation muss man die Konzepte, an denen man festhält, loslassen. Wie entsteht in uns der Mut für so eine Bewusstseinsveränderung? Gewalt erzeugt immer nur ein abschreckendes Beispiel, aber keinen Bewusstseinswandel. Das wäre aber, was notwendig wäre für eine Welt, die nicht auf hierarchischen, ausbeuterischen Prinzipien aufbaut. Und darum geht es für mich in diesem Stück.« Leonie Böhm

 

Leonie Böhm ist bekannt dafür, kanonisierte Texte auf die in ihnen wohnenden Gedanken und Gefühle zu konzentrieren. Klassiker sind belastbar. Man kann sie zerstückeln, kondensieren und anders kompilieren. Sich immer wieder neu zu ihnen ins Verhältnis setzen und ihre Figuren auf unser Hier und Jetzt hin befragen. Im Fokus steht dabei immer der Anspruch, diese in ihren Gedanken und Gefühlen ernst zu nehmen und sie in ihren Handlungen zu verstehen. Leonie Böhms Perspektive auf den antiken Mythos Medea* wurde 2021 zum Theatertreffen eingeladen.

 

 

Foto: Esra Rotthoff

Team

Kostüme

Livemusik

Dramaturgie

Besetzung

Julia Riedler

ÇİĞDEM TEKE

Lea Draeger

Eva Löbau