»Weil wir nicht vergessen«

Projekt »Weil wir nicht vergessen«


Im Kunstprojekt Weil wir nicht vergessen, das vom 04.10. bis 12.12.2021 stattfindet, setzen sich 16 Jugendliche und junge Erwachsene mit dem NSU Komplex auseinander. In elf wöchentlichen Treffen beschäftigt sich die Gruppe mit den Hintergründen und Folgen der Terroranschläge des sogenannten NSU und legt ihren Schwerpunkt dabei auf migrantisch situiertes Wissen sowie die Perspektive der Betroffenen und Angehörigen der Opfer. Dabei knüpft sie an die Ausstellung Offener Prozess und dem dazugehörigen Rahmenprogramm 61‘-91‘-21‘: Immer wieder Deutschland an. 

Präsentation am 12. Dezember

Die Gruppe möchte die Stimmen der Betroffenen aktiv wahrnehmen und ihre Zeug*innenschaft durch aktives Zuhören bekunden. In Workshops sensibilisieren sich die Teilnehmer*innen für die Thematik und lernen mehr über die Namen und Geschichten der Opfer rechter Gewalt, die gesellschaftlichen Umstände in Deutschland, die den NSU ermöglicht haben und darüber, was für Folgen die Kriminalisierung der Hinterbliebenen durch Ermittlungsbehörden und Medien hatte. Wichtig dabei ist, dass sich alle in einem empathischen Raum bewegen, in dem die Erfahrungen und die Emotionen der Teilnehmer*innen Platz finden. Die Gruppe setzt sich zusammen aus 17-29jährigen jungen Menschen, die Erfahrungen aus der Kunst-, Theater- und Filmbranche mitbringen und größtenteils selbst durch eine migrantisierte Geschichte geprägt sind.

Das Ziel des Projektes ist es, zu einer Gedenkkultur beizutragen, die zu einer würdevollen Erinnerung an die Todesopfer rechter Gewalt führt und Angehörige in ihrem oftmals unfreiwilligen und einsamen Kampf für Gerechtigkeit und Anerkennung unterstützt. Dabei verfolgen wir den Ansatz, dass aktives Zuhören eine politische Praxis ist und erst dadurch ein Aktivieren des Widerstands im Sinne der Betroffenen möglich wird. 

Um dem gerecht zu werden, besuchen Betroffene wie Ibrahim Arslan das Projekt, der als Überlebender des rassistisch motivierten Brandanschlags in Mölln (1992), als Bildungsreferent aus der Betroffenenperspektive berichtet. Auch ein Besuch der Ausstellung The Violence We Have Witnessed Carries a Weight on Our Hearts, die zum Gedenken an den rechtsterroristischen Anschlag am 9.10.2019 in Halle entwickelt wurde, soll die Gruppe für ihr Vorhaben sensibilisieren und vorbereiten.

Gemeinsam entwickeln die Teilnehmer*innen in der zweiten Hälfte des Projektzeitraumes eine Präsentation ihrer Arbeit in Form einer Ausstellung, Performance oder Installation. Diese kann am 12. Dezember 2021 im Studio R des Maxim Gorki Theaters besucht werden.

Von und mit Julia Alkanaan, İrem Atiş, Bilge Cömert, Somi Dubuque, Teresia Harris, Felicia Herrmann, Margarita Kosareva, Yousra O., Gloria Odosi, Susanna Theodora Pavlidis, Katharina Petrova, Lukas Siebeneicker, Melissa Tosun  

Leitung: Elona Beqiraj
Co-Leitung: Hiyam Biary
Assistenz: Salma Salaheldin
Dramaturgische Begleitung: Edona Kryeziu
Projektkoordination: Janka Panskus

Mit diesem Sonderprojekt ist Gorki X Kooperationspartner des Migration Lab Germany der Stiftung Universität Hildesheim (Zentrum für Bildungsintegration). Das Projekt Migration Lab wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, von der Bundeszentrale für politische Bildung und von der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit Offener Prozess (offener-prozess.de), ein Projekt des ASA-FF e.V. und findet am Gorki im Rahmen des 5. Berliner Herbstsalons 2021/2022 statt. 61‘-91‘-21‘: Immer wieder Deutschland wird gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Europa.