Das mit der Liebe »ist doch alles Schmus«, denkt Paula, doch es kommt anders.
Paula ist tot, ebenso wie ihr Kind. Aus tiefster Hingabe an einen Mann namens Paul starb sie, nachdem eine ungewollte und zugleich gewollte Schwangerschaft zur Katastrophe führte.
So ungewöhnlich diese Ankündigung für den DDR-Kultfilm Die Legende von Paul und Paula aus den 1970er Jahren auch klingt, entspricht sie der bitteren Realität der Geschichte. Was auf den ersten Blick wie eine große Liebesgeschichte wirkt, offenbart sich bei genauerem Hinsehen als eine zutiefst toxische Dynamik. Obwohl der Film über Jahrzehnte romantisch verklärt wurde, legt die Neuinterpretation des künstlerischen Leiters des Studio, Murat Dikenci, im Berlin des Jahres 2025 den Fokus auf diese destruktiven Muster. Das Stück beleuchtet nicht nur das persönliche Drama, sondern auch gesellschaftliche Strukturen, in denen Liebe, Abhängigkeit, Verlust und Schmerz verhandelt werden. Er verwandelt die Legende in einen Liebesrausch, der beflügelt und zerstört, aus dem aber schwer zu entkommen ist.
»Wir lassen es dauern, solange es dauert … und fragen uns nicht nach allerhand Zeugs.«
Was einst Paulas zarter Vorschlag bei jener ersten Begegnung mit Paul war, beschreibt heute das fragile Ungleichgewicht moderner Situationships in einer Stadt, die alles erlaubt, aber nichts verspricht
Premiere 13/Dezember 2025
Foto: Esra Rotthoff
Bühnenfotos: Etritanë Emini
»Dikenci verlegt die Geschichte in ein Gegenwarts-Berlin der unverbindlichen Beziehungen, wo Rausch und Ekstase eher Folklore sind als Widerstandsakt. Seine ›Legende von Paul und Paula‹ – live begleitet von Schlagzeuger Andrea Belfi, mit einer Komposition von Nazanin Noori – will dabei nicht zuletzt Paula vor ihrem Film-Schicksal retten. Und sie überhaupt als emanzipiertere Person mit mehr Entscheidungszeigen, als es die Kassiererin an der Flaschenannahme einer Kaufhalle im Film war. Das geht dank Ruby Commeys selbstbewusstem Spiel auf.«
»Auf der Bühne erklingen […] Echos [des DEFA-Films], etwa wenn der kleine Noah Bailey als Paulas Sohn die Puhdys-Texte einflüstert und die eher stoische Paula von Ruby Commey trotzdem geradewegs auf Samuel Schneiders Paul zutanzt zu den virtuos erotischen Rhythmen des Schlagzeugers Andrea Belfi. Oder wenn beide das rote Zimmerchen, das wie ein spitz zulaufender Schiffsbug auf die kleine Spielfläche gebaut ist, mit Blumen ausstatten für ihre träumerische Liebesnacht, die hier allerdings direkt in Rauch und Blitzdonner mündet und schon überleitet in das Toxische der Beziehung.«
»Überhaupt greift dieser Abend geschickt manches aus dem Film auf, auf einem kleinen Fernseher an der Rückwand werden Originalszenen eingespielt, es gibt eine Blumenmeerszene und auch eine imaginierte Kahnfahrt.«