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Nicole L’HuillierMembrana

Wir sind ganz Ohr. Eine gute Beziehung beginnt damit, dass man einander zuhört, dass man wahrnimmt, was bereits da ist, bevor man antwortet. Doch Zuhören ist niemals bloß passiv. Zuhören bedeutet, berührt zu werden und zugleich auf unsere Umgebung einzuwirken. Was wäre, wenn ein Theater auf diese Weise zuhören würde?

Im Frühjahr 2027 wird die Künstlerin Nicole L’Huillier das Maxim Gorki Theater in einen hörenden Organismus verwandeln. Am Palais am Festungsgraben wird sich ihre Arbeit Membrana, eine transluzente und halbtransparente Membranskulptur, wie eine zweite Haut über die Außenfläche legen. Das Gebäude ist so nicht länger nur eine Hülle, in der etwas geschieht; es wird selbst zum aktiven Teil des Geschehens werden. Architektur wird zum Resonanzkörper, die Fassade zum riesigen Trommelfell.

Dieser Transformationsprozess setzt bereits jetzt ein. Am 9. Oktober 2026 präsentiert L’Huillier als eine Art Auftakt Membrana Study eine Variante ihres Vorhabens an der Seitenwand des Palais zum Platz der Märzrevolution hin.

Membrana ist aus L’Huilliers langjähriger künstlerischer Forschung hervorgegangen. Als ausgebildete Architektin versteht sie Raum nicht als etwas Feststehendes, sondern als ein Beziehungsfeld, in dem Körper, Materialien, Energien und Geschichten einander fortwährend beeinflussen. In ihrer künstlerischen Praxis sind Membranen in Form von Ohren, Fahnen, Soundsystemen, Instrumenten und beinahe lebendigen Wesen gegenwärtig. Sie bilden ein materielles und zugleich konzeptionelles Instrumentarium, mit dem L’Huillier untersucht, wie sich Klang bewegt, wie Begegnungen entstehen und wie scheinbar voneinander getrennte Welten miteinander verwoben werden können.

Für L’Huillier ist eine Membran eine schwingende Grenze, die zugleich empfängt und überträgt. Ohne Empfangen gibt es kein Senden, ohne Ruf keine Antwort. Im Gorki wird diese membranartige Logik auf die Dimension der Architektur ausgeweitet. Das Grundrauschen der Straße, vorbeiziehende Stimmen und die Bewegungen der Stadt treffen auf die Membranen und werden in klangliche Schwingungen übersetzt. Gegenwärtige Geräusche vermischen sich mit den Echos und Erinnerungen, die im Gebäude eingeschrieben sind. Innen und außen, Straße und Theater, Stadt und Institution, Vergangenheit und Gegenwart werden Teil eines gemeinsamen Resonanzsystems.

Gleich neben dem Eingang zum Gorki begrüßen fünf kleinformatige Membranas die Besucher:innen und laden sie zum Hören und zum Spüren ein. Als Vorboten des großen Lauschevents im Frühjahr 2027 lassen sie bereits das klangliche Potenzial eines wechselseitigen Austauschs zwischen Theater und Stadt erahnen.

Aktiviert werden die Membranas durch Ensemble Mitglied Mickey Mahar und durch die Künstlerin selbst.

Membrana ist ein konzeptionelles Störmoment: eine sanfte, aber beharrliche Einladung, die vertrauten Grenzen, Rituale und Setzungen institutionellen Handelns neu zu denken. Was wäre, wenn ein Theater sich nicht nur an die Stadt richtet, sondern sie auch empfängt – und sich von dem verändern lässt, was es hört?

Künstlerin Nicole L’Huillier

Veranstaltungen im Rahmen von Membrana

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