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Ulrike OttingerDas HörrohrNach dem Roman von Leonora Carrington Deutsch von Tilman Spengler Für die Bühne bearbeitet von Ulrike Ottinger

Alle, die Leonora Carringtons Jahrhundertroman Das Hörrohr gelesen haben, wissen: Es ist eine Entfesselung literarischer Energie und ein surrealistisch-revolutionärer Angriff auf die Humor- und Alternativlosigkeit patriarchaler Macht. Die 92-jährige Titelheldin revoltiert gemeinsam mit anderen Alten und Ausgestoßenen: Was wäre, wenn die Welt einen anderen als den von Gier und Gewalt geprägten Weg gegangen wäre?

Carrington antwortet mit Humor und nimmt die Welt in ihren grotesken Details wörtlich. Ihre Held:innen sind „Freaks“, um ein Wort aus dem Werk von Ulrike Ottinger zu verwenden: Hoffnungsträger:innen, weil sie unpassend sind und gerade deshalb Räume für neues Denken und Veränderung eröffnen. Sie sind gefährdet und verletzlich. Genau diese Verletzlichkeit in Stärke zu verwandeln, gibt der Geschichte ihre unbändige Kraft.

Ulrike Ottinger, die Königin des transdisziplinären Widerstands gegen Autorität und Gleichförmigkeit in Kunst, Theater und Kino, hat Carrington 1991 in Chicago getroffen. Gemeinsam entstand damals der Plan zu einer Adaption von Das Hörrohr. 35 Jahre später wird diese Idee am Gorki Wirklichkeit.

Carringtons surrealistisches Welttheater trifft auf Ottingers eigene Bild- und Gedankenwelt: auf ihre Faszination für Außenseiter:innen, Exzentriker:innen und Figuren, die sich den Regeln ihrer Zeit entziehen. Auf der Bühne entsteht daraus eine Welt zwischen Groteske und Utopie, in der Alter zur revolutionären Energie, Fantasie zur politischen Kraft und das vermeintlich Unpassende zum Ausgangspunkt einer neuen Ordnung wird.

Begleitet wird das Theaterereignis durch eine Ausstellung mit weiteren Werken von Ulrike Ottinger.