DAS MAXIM GORKI THEATER BERLIN in der Mitte Berlins, befindet sich Unter den Linden, gleich hinter der neuen Wache, neben der Humboldt-Universität. Die klassizistische Fassade gehört zu einem Sprechtheater mit ca. 420 Plätzen. Etwa 100 Zuschauer fasst die zweite Spielstätte, das Gorki Studio.
Es ist ein Haus mit Tradition und einer ganz eigenen Geschichte: Zwischen 1823 und 1827 nach Entwürfen Carl Friedrich Schinkels als "Berliner Sing-Akademie" gebaut, ist es der älteste Konzertsaalbau der Stadt. Die goldenen Buchstaben über den Säulen am Eingangsportal erinnern an ihren damaligen Direktor Carl Friedrich Zelter. Komponisten wie Beethoven und Haydn schrieben Stücke für den Chor, der 20-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy dirigierte im März 1829 die erste Aufführung der Matthäus-Passion seit Bachs Tod, Clara und Robert Schumann konzertierten hier ebenso wie Paganini, Liszt, Brahms und später Anton Rubinstein. Die Nähe zur Humboldt-Universität ermöglichte, dass hier auch Wissenschaft gelehrt wurde. Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte, wie auch der Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt lasen hier in Sonntagsvorlesungen für die Berliner Bevölkerung. Zwischen 1827 und 1828 hielt Alexander von Humboldt in dem Konzertsaal seine berühmten Kosmos-Vorlesungen und im Sommer 1848 konstituierte sich in der Sing-Akademie die Preußische Nationalversammlung.
Während des 2.Weltkrieges stark zerstört, diente das Haus nach Kriegsende der "Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD)", die im benachbarten "Haus der Kultur derSowjetunion" (heute "Palais am Festungsgraben") untergebracht war, als Theatersaal. 1947 gastierte in dem notdürftig rekonstruierten Gebäude das Chor- und Tanz-Ensemble der sowjetischen Besatzungszone. 1948 brachte Wolfgang Langhoff "Die optimistische Tragödie" von Wsewolod Wischnewski zur deutschsprachigen Erstaufführung. Ab November 1950 fand die Neue Bühne unter der Leitungvon Robert Trösch hier ihre Spielstätte. Die Schauspieler Ernst Busch, Lotte Loebinger, Steffi Spira und Ekkehard Schall gastierten mit eigenen musikalischen und literarischen Programmen. Tilly Lauenstein, Olga Tschechowa und Heinz Rühmann gaben hier Gogol- und Tschechow-Abende.
1952, unter den kulturpolitischen Vorzeichen der Nachkriegszeit, wurde mit der Wiedereröffnung ein Sprechtheater ins Leben gerufen, das programmatisch mit dem Namen Maxim Gorki versehen, Gegenwartstheater repräsentieren sollte. Der Literaturwissenschaftler Dr. Alexander L. Dymschitz, Kulturoffizier in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, ernannte Maxim Vallentin zum ersten Intendanten. Das Theater eröffnete, nun mit festem Ensemble, am 30. Oktober mit der Inszenierung "Für die auf See" von Boris Lawrenow. Die Stücke Maxim Gorkis bestimmten ab 1954 den Spielplan. Auf "Dostigajew und andere" folgte 1957 die erste Inszenierung von "Nachtasyl"; 1959 kam Gorkis "Feinde" heraus. Mit "Das Schiff auf der Donau" von Friedrich Wolf und "Der Weg nach Füssen" von Johannes R. Becher erweiterte Vallentin das Repertoire um gesellschaftskritische Stücke zeitgenössischer deutscher bzw. Autoren der jungen DDR. Profilprägende Regisseure waren u. a. Werner Schulz Wittan, Achim Hübner, Hans-Dieter Mäde, Horst Schönemann, Kurt Veth, Wolfram Krempel und Hans-Georg Simmgen.
Diese Linie wurdevon Albert Hetterle, der die Leitung 1968 übernahm und der schon unter Maxim Vallentin einer der profilprägenden Schauspieler war, erweitert. Während seiner mehr als ein Vierteljahrhundert andauernden Intendanz erwarb das Maxim Gorki Theater den Ruf, die Bühne Ostberlins zu sein, die sich kontinuierlich mit zeitgenössischer Dramatik auseinander setzte und deren besonderes Augenmerk russischer und sowjetischer Dramatik galt. Regisseure wie Wolfgang Heinz, Karl Gassauer, Wolfram Krempel und Martin Meltke unterstützten diese Linie maßgeblich. Thomas Langhoff schrieb mit Inszenierungen, wie "Einsame Menschen", "Drei Schwestern" und "Sommernachtstraum" Theatergeschichte. Volker Brauns kontroverse "Übergangsgesellschaft", die Langhoff 1988 inszenierte und die besondere Theaterästhetik in den Inszenierungen Rolf Winkelgrunds, wie "Der Weg nach Mekka" von Athol Fugard oder "Die Falle" von Tadeusz Rózewicz, gaben dem Haus ein neues eigenes Profil.
1994 wurde Bernd Wilms Intendant des Maxim Gorki Theaters. Das Theater verstand sich unverändert als ein Theater der Schauspieler, das großen Wert auf die Pflege seines Ensembles legt und zugleich auf die Entdeckung neuer Talente. Mit Inszenierungen wie "Hautnah" von Patrick Marber, "Altruisten" von Nicky Silverund Xavier Durringers "Schnitt ins Fleisch" kamen moderne englische und französische Dramatiker ins Repertoire. Höhepunkte setzte Willms mit der Berlin-Trilogie: "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer, Gerhart Hauptmanns "Die Ratten" und "Berlin Alexanderplatz", nach dem Roman von Alfred Döblin, waren in der Regie von Katharina Thalbach und Uwe Eric Laufenberg große Publikumserfolge.
Als Bernd Wilms zum Intendant an das an das Deutsche Theater in Berlin berufen wurde, kam 2001 Volker Hesse an das Maxim Gorki Theater. Ihm gelang es, mit Stückentwicklungen wie "Bankenstück" von Lutz Hübner und "Der Kick" von Andres Veiel und Gesine Schmidt, ästhetische und politisch interessante Kontroversen auszulösen.
Seit Beginn der Spielzeit 2006/07 ist der Regisseur und Autor Armin Petras Intendant des Maxim Gorki Theater. Seine künstlerische Handschrift sowie die der regelmäßig am Maxim Gorki Theater inszenierenden Regisseure wie Jan Bosse, Jorinde Dröse und Antú Romero Nunes, prägen heute das Theater. Romanadaptionen und zeitgenössische Inszenierungen klassischer Dramatik und der Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Stoffe aus Berlin und Brandenburg bestimmen das Programm des Theaters. Der lebendige Geschichtsraum Berlins und vor allem die Bewohner dieser Stadt stehen im Focus des Spielplans. Armin Petras setzt sich seit vielen Jahren kontinuierlich mit dem Autor Heinrich von Kleist künstlerisch auseinander. Anlässlich des internationalen Kleistjahres zum 200. Todestags des Dichters fand am Maxim Gorki Theater im November 2011 ein dreiwöchiges Kleistfestival statt, in dem sich diese starke künstlerische Auseinandersetzung widerspiegelte.