PLAN BERLIN
Die 60. Spielzeit des Maxim Gorki Theater Berlin
Berlin bleibt immer ein Versprechen; und es gibt Grund zur Hoffnung, dass sich die Stadt niemals völlig normalisiert und weiter im widersprüchlichen Nebeneinander von Altem und Neuem, als Langzeitexperiment ihr zukunftsweisendes Potential erhält. Das Maxim Gorki Theater interessiert dieser lebendige Geschichtsraum Berlin, seine Ideologien ebenso wie seine Leerstellen, seine Heterogenität, seine Multiplizität, Temporalität, Formlosigkeit und vor allem die Bewohner dieser Stadt.
Für alle, die im September wieder eine alte/neue Regierung wählen müssen, stellt Rainald Grebe zur Spielzeiteröffnung die Fragen zur Wahl: Wie steht es mit dem Politischen im Privaten? Wie privat ist Politik? Was heißt es, seine Zukunft wählen zu müssen? Und wie soll es überhaupt weitergehen mit Berlin? VÖLKER SCHAUT AUF DIESE STADT von und mit Rainald Grebe, Premiere ist am 31. August.
Die zweite Premiere der Saison erzählt die Geschichte des aus einfachen Verhältnissen stammenden Ehepaars Quangel, das die zur Gesellschaftsform avancierte Handlungsunfähigkeit aus Gleichgültigkeit oder Schicksalsergebenheit im Nationalsozialismus überwindet, indem es die Gewissensentscheidung fällt, allein und privat Widerstand gegen ein übermächtiges System zu leisten, nachgespielt nach Hans Falladas letztem großen Roman JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN . Die Regie übernimmt unsere Hausregisseurin Jorinde Dröse, Premiere ist am 5. September.
In der Romanadaption von Jonathan Littells DIE WOHLGESINNTEN hingegen geht es um die Perspektive eines Täters auf den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, auf die Shoah, den Krieg an der Ostfront und die Stadt Berlin in der NS-Zeit. Regie führt Armin Petras, Premiere ist am 24. September.
Täter und Opfer, Selbsthass und Fehlleistungen, Widersprüche, Missverständnisse und Stürze: In diesem Sinne ist auch das Kleistfestival im November (4. - 21.11.) ausgerichtet. Jeder Versuch, eine feste Sinn-Ordnung in diesen Welten zu finden, erweist sich bei Kleist als haltlos. Das Sein scheint sich bei Kleist immer wieder neu im Stürzen zu erfinden. Und damit ist er wohl einer der modernsten Brandenburg/Berlin-Autoren überhaupt. Premieren im Rahmen des Festivals sind DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN ODER DIE FEUERPROBE , in der Regie unseres Hausregisseurs Jan Bosse, Premiere ist am 4. November, DIE FAMILIE SCHROFFENSTEIN in der Regie unseres Hausregisseurs Antú Romero Nunes, Premiere ist am 19. November sowie am 8. November im Gorki Studio die Berliner Premiere der Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden DAS ERDBEBEN IN CHILI , eine Inszenierung von Armin Petras.
Im Dezember feiert eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen ihre Berliner Premiere: Franziska Walser und Edgar Selge erkunden Goethes IPHIGENIE AUF TAURIS .
Es folgt im Januar 2012 EFFI BRIEST von Theodor Fontane in der Regie von Jorinde Dröse.
Juri Sternburgs Stück DER PENNER IST JETZT SCHON WIEDER WOANDERS (Uraufführung / Ausgezeichnet mit dem Förderpreis des Stückemarktes im Rahmen des Theatertreffens 2011, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung) holt uns mit seinen schnellen, grotesken Dialogen zurück in das gegenwärtige Berliner U-Bahnleben, das mit satirischem Scharfsinn die Verhältnisse von oben und unten neu mischt, Premiere ist im Januar 2012 im Gorki Studio.
Ein weiterer Roman Hans Falladas, das stark autobiographisch geprägte Buch DER TRINKER , kommt im Februar 2012 zur Premiere, Sebastian Hartmann übernimmt die Regie.
Ebenfalls im Februar setzen wir die Auseinandersetzung mit Einar Schleef fort: ein Wochenende lang wird es künstlerische Umsetzungen seiner kompletten Tagebücher geben, gerahmt von Armin Petras Inszenierung von Schleefs Roman „Gertrud“ und der Berliner Premiere von DROGE FAUST (Koproduktion mit dem Centraltheater Leipzig) im Gorki Studio. Außerdem wird mit einer Ausstellung seiner Theaterplakate auch der Maler und Grafiker Einar Schleef im Maxim Gorki Theater zu entdecken sein.
Im März folgt die Premiere von Fritz Katers ZEIT ZU LIEBEN/ZEIT ZU STERBEN , eine leidenschaftliche Story vom Überleben in Zeiten des Umbruchs, Regie: Antú Romero Nunes. Bei Kater werden zärtlich und unsentimental Glück und Repression der untergegangenen DDR-Welt und das ungläubige Staunen bei der Ankunft im westlichen Wertesystem gezeigt. Von dort aus blicken wir bei der Premiere im Mai noch weiter zurück auf Ulrich Plenzdorfs DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA ; eine der schönsten Liebesgeschichten in Ostberlin, die Regie übernimmt Robert Borgmann.
Auch in der Spielzeit 2011/12 wird Milan Peschel eine weitere INSZENIERUNG am MGT Berlin realisieren, Premiere ist im April 2012.
Mit unseren Partnern setzen wir die Zusammenarbeit fort: Die Diskussionsreihe GESCHICHTSRÄUME , flankierend zur Inszenierung DIE WOHLGESINNTEN (in Zusammenarbeit mit der Stiftung Topographie des Terrors), die Gesprächsreihe FREITAG SALON in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung "der freitag"), die Vorlesungsreihe KOSMOS UND MENSCH (in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin) sowie der literarische Nachtclub HARDCOVER (in Zusammenarbeit mit dem Blumenbar Verlag und dem Bloomsbury/Berlin Verlag) werden weiterhin den Spielplan des Maxim Gorki Theaters bereichern.
Download: Spielzeitheft 2011/2012



