Der Kick
Andres Veiel, Gesine Schmidt
Uraufführung am 24. April 2005 im Gewerbehof in der alten Königstadt
Eine Koproduktion mit dem Theater Basel
In der Nacht zum 13. Juli 2002 misshandeln das Brüderpaar Marco (23 Jahre) und Marcel (17 Jahre) sowie ihr Kumpan Sebastian (17 Jahre) den mit Marcel befreundeten 16-jährigen Marinus. Die kahlrasierten Täter schlagen auf ihr schwächeres, zum Stottern neigendes Opfer aus der Hiphopper-Szene über Stunden hinweg ein. Es gibt erwachsene Zeugen, die nicht eingreifen. Täter und Opfer kennen sich, sie kommen alle aus Potzlow, einem Dorf in der Uckermark. In einem Schweinestall muss Marinus in einen Schweinetrog beißen. Er wird nach dem Vorbild des Bordsteinkicks aus dem Film "American History X" hingerichtet: Marcel springt auf den Hinterkopf seines Opfers. Der "Mordfall Potzlow" wurde in der Öffentlichkeit mit schnellen Etikettierungen versehen: Die Misshandlung und die Hinrichtung wurde als rechtsradikale Gesinnungstat eingestuft. "Da kein Ausländer zugegen war, haben die Täter einen aus ihrem Dorf genommen und ihn kurzerhand zum Juden erklärt." So der Staatsanwalt in seiner Stellungnahme. "Die wollten den Abend irgendeinen aufklatschen, wie das heute so ist, unter Jugendlichen." So der Bürgermeister. Die Gewalt der Tat aber beginnt nicht in dieser Nacht. Und auch nicht mit dem Zerfall der Dörfer nach der Wende. Bei genauerem Hinsehen findet sie sich fortwährend in den Lebensgeschichten der Beteiligten, deren Eltern und Großeltern: 1942 im Umgang mit den polnischen Fremdarbeitern, 1960 bei der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, in den 90er Jahren im Umgang mit den "neuen" Fremden. Sowohl die Familie der Täter als auch die des Opfers sind "Zugezogene", die in der Dorfgemeinschaft nie wirklich ankamen. Über die Montage der verdichteten Gesprächsprotokolle mit den Brüdern Marco und Marcel, ihren Eltern, den Freunden des Opfers, der Staatsanwaltschaft und der betroffenen Dorfgemeinschaft versucht "Der Kick", die Biografien hinter der Tat sichtbar werden zu lassen.
Andres Veiel lässt in seinem Film "Black Box BRD" sowohl die Täter- als auch die Opferperspektive gleichberechtigt zu Wort kommen und entlässt den Zuschauer nicht aus seiner Verantwortung. "Der Kick" knüpft an diese Auseinandersetzung an.
Eine Koproduktion mit dem Theater Basel
In der Nacht zum 13. Juli 2002 misshandeln das Brüderpaar Marco (23 Jahre) und Marcel (17 Jahre) sowie ihr Kumpan Sebastian (17 Jahre) den mit Marcel befreundeten 16-jährigen Marinus. Die kahlrasierten Täter schlagen auf ihr schwächeres, zum Stottern neigendes Opfer aus der Hiphopper-Szene über Stunden hinweg ein. Es gibt erwachsene Zeugen, die nicht eingreifen. Täter und Opfer kennen sich, sie kommen alle aus Potzlow, einem Dorf in der Uckermark. In einem Schweinestall muss Marinus in einen Schweinetrog beißen. Er wird nach dem Vorbild des Bordsteinkicks aus dem Film "American History X" hingerichtet: Marcel springt auf den Hinterkopf seines Opfers. Der "Mordfall Potzlow" wurde in der Öffentlichkeit mit schnellen Etikettierungen versehen: Die Misshandlung und die Hinrichtung wurde als rechtsradikale Gesinnungstat eingestuft. "Da kein Ausländer zugegen war, haben die Täter einen aus ihrem Dorf genommen und ihn kurzerhand zum Juden erklärt." So der Staatsanwalt in seiner Stellungnahme. "Die wollten den Abend irgendeinen aufklatschen, wie das heute so ist, unter Jugendlichen." So der Bürgermeister. Die Gewalt der Tat aber beginnt nicht in dieser Nacht. Und auch nicht mit dem Zerfall der Dörfer nach der Wende. Bei genauerem Hinsehen findet sie sich fortwährend in den Lebensgeschichten der Beteiligten, deren Eltern und Großeltern: 1942 im Umgang mit den polnischen Fremdarbeitern, 1960 bei der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, in den 90er Jahren im Umgang mit den "neuen" Fremden. Sowohl die Familie der Täter als auch die des Opfers sind "Zugezogene", die in der Dorfgemeinschaft nie wirklich ankamen. Über die Montage der verdichteten Gesprächsprotokolle mit den Brüdern Marco und Marcel, ihren Eltern, den Freunden des Opfers, der Staatsanwaltschaft und der betroffenen Dorfgemeinschaft versucht "Der Kick", die Biografien hinter der Tat sichtbar werden zu lassen.
Andres Veiel lässt in seinem Film "Black Box BRD" sowohl die Täter- als auch die Opferperspektive gleichberechtigt zu Wort kommen und entlässt den Zuschauer nicht aus seiner Verantwortung. "Der Kick" knüpft an diese Auseinandersetzung an.
Es spielen Susanne-Marie Wrage, Markus Lerch
Regie Andres Veiel, Bühne Julia Kaschlinski, Kostüme Julia Kaschlinski, Dramaturgie Gesine Schmidt
Regie Andres Veiel, Bühne Julia Kaschlinski, Kostüme Julia Kaschlinski, Dramaturgie Gesine Schmidt
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