Die 529 km lange Distanz zwischen beiden Städten haben das Stary Teatr Krakau und das Maxim Gorki Theater Berlin seit Beginn ihrer Kooperation in der vergangenen Spielzeit mehrfach zurückgelegt. Bei gegenseitigen Gastspielbesuchen trafen Schauspieler und Intendanten, Mitarbeiter der Gewerke und Dramaturginnen beider Häuser aufeinander und schlossen Bekanntschaft mit einem jeweils anderen Theaterpublikum, anderen Fragestellungen, Ästhetiken und Arbeitsweisen. In der Spielzeit 2010/2011 werden das ST Krakau und das MGT Berlin ihren künstlerischen Austausch intensivieren und gemeinsam zwei Theaterproduktionen realisieren, die auf je eigene Weise die deutsch-polnische Vergangenheit und Gegenwart erkunden: die Doppelproduktion SEIN ODER NICHTSEIN/BYC´ ALBO NIE BYC´ und das Recherche- und Performance-Projekt KRAKAU-BERLIN-XPRS.
Mit SEIN ODER NICHTSEIN nach dem Film von Ernst Lubitsch wurde für das gemeinsame Inszenierungsprojekt ein Stoff gewählt, der in einem virtuosen, hochkomischen Spiel mit Klischees und Stereotypen die Mechanismen einer totalitären Schreckensherrschaft offenlegt. Der Regisseur und Schauspieler Milan Peschel wird gleich zwei Inszenierungen auf dieser Grundlage erarbeiten – eine polnischsprachige mit Schauspielern des ST Krakau und eine deutschsprachige mit Ensemblemitgliedern des MGT Berlin. Im Zentrum des Probenprozesses und der geplanten Begegnungen zwischen den Mitwirkenden beider Produktionen steht die gemeinsame Reflexion des geschichtlichen Kontextes und der, wie Georg Seeßlen schreibt, „historischen Unschuld“ von Lubitschs Film, bei dessen Fertigstellung 1942 das gesamte Ausmaß des nationalsozialistischen Vernichtungswillens noch unbekannt war. Täglich um 07:23 fährt vom Krakauer Hauptbahnhof der EC 340 in zwölf Stunden nach Berlin. Die Landschaft, die man auf dieser Fahrt durchquert, und Orte wie Katowice/Kattowitz, Gliwice/Gleiwitz, Opole/Oppeln, Wrocław/ Breslau, Legnica/Liegnitz u. a. haben für Polen und Deutschland eine besondere historische, politische und kulturelle Bedeutung. Sie bilden einen regelrechten Fundus an Geschichten, die ein polnisch-deutsches Team, dem u. a. der Historiker und Autor Michał Olszewski angehört, im Auftrag des MGT Berlin und des ST Krakau in den kommenden Monaten zusammentragen wird. Unter der künstlerischen Leitung von Armin Petras werden die Ergebnisse dieser Recherche von Schauspielern beider Ensembles gemeinsam mit lokalen Partnern und Kulturinitiativen während einer Fahrt mit dem EC 340 von Krakau nach Berlin zur Aufführung gebracht. Im Juni 2011 geht der KRAKAUBERLIN-XPRS auf die Reise.
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"Die Dächer von Berlin": Roman Pawlowski im Gespräch mit Armin Petras. Nachlesen können Sie das Gespräch als
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